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Weihnachtsbaum: Geschlagen oder getopft?

Zwischen 20 und 25 Millionen Fichten und Tannen werden jedes Jahr geschlagen, damit sie in deutschen Wohnzimmern das Weihnachtsfest dekorativ ausleuchten. Ich habe volles Verständnis für Zeitgenossen, die solch einen Aufwand für wenige Tag am Jahresende als übertrieben empfinden, zumal die Preise - zumindest für die hoch favorisierte Nordmannstanne - in den Himmel schießen.

Deshalb rückt eine Alternative ins öffentliche Bewusstsein: Ein Weihnachtsbaum ja, aber mit Wurzeln, zum Auspflanzen im Garten oder zum mehrmalige Gebrauch im Topf.

Beim Bummel durch Gartencenter fällt auf, dass der Handel sich auf diesen Trend einstellt. Überall stehen enorme Mengen Wurzelware zum Verkauf - und das zu erstaunlich günstigen Preisen. In einer professionell geführten Baumschule kosten gleich große Bäumchen das Drei- bis Sechsfache. Wie kann das sein, wie erklärt sich der gewaltige Preisunterschied?

Im Topf kultiviert

Es kommt darauf an, wie die Tannen und Fichten aufgezogen wurden. In der Baumschule wachsen sie in Töpfen heran oder werden einige Jahre vor dem Verkauf in Töpfe umgeschult. Das macht viel Arbeit bei der Kultur und der Pflege, die bezahlt werden muss. Im Topf entwickelt sich auf diese Weise ein intaktes und ausreichend großes Wurzelwerk.

Anders bei der Massenware, die jetzt in den Gartencenter steht. Diese Bäumchen wuchsen in riesigen Quartieren in „richtiger" Erde heran, mussten nicht besonders versorgt werden und wurden nun zum Verkauf ausgegraben. Ihr natürlich vorhandene Wurzelwerk ist viel, viel ausladender als der Behälter, in den die Pflanze hineingestopft wird. Also bleibt beim Ausgraben und Eintopfen ein Großteil der wichtigen äußeren Feinwurzeln auf der Strecke, der Baum ist von seiner eingespielten Versorgung abgeschnitten und eigentlich unrettbar geschädigt. Seriöse Gartencenter verschweigen dies nicht, indem sie etwas verklausuliert darauf hinweisen, dass fürs Anwachsen nicht garantiert wird. Wer also tatsächlich vorhat, sein Weihnachtsbäumchen nach dem Fest am Leben zu erhalten, darf die Ausgabe ein für sanft im Topf herangezogenes Exemplar nicht scheuen. 

Wie das Überleben gelingt

Solange das Wetter es erlaubt, bleibt das Bäumchen draußen, wo ihm an einem schattigen Platz die kühle, feuchte Luft besonders zusagt. Selbstverständlich darf die Erde nicht austrocknen. Einen Tag vor Heiligabend wird der Baum zunächst in einen ungeheizten, frostfreien Raum gestellt; am nächsten Tag kommt er dann zum Schmücken ins Wohnzimmer. Da die warme, trockene Zimmerluft den Nadeln reichlich Feuchtigkeit entzieht, muss die Erde durchdringend gegossen werden. Dabei sollte das Pflanzgefäß auf einem wasserdichten Untersatz stehen, damit der Fußboden durch abfließendes Gießwasser nicht beschädigt wird.

Nach dem Fest wird der Baum so schnell wie möglich wieder kühl gestellt, bei frostfreiem Wetter ins Freie, und baldmöglichst mit durchfeuchtetem und gut erhaltenem Ballen ausgepflanzt. Man braucht hiermit nicht bis zum Frühjahr zu warten, vorausgesetzt, es steht eine frostfreie Pflanzstelle zur Verfügung. Um diese muss man sich vorsorglich kümmern.

Ins Freie pflanzen

Vor Frosteintritt die zukünftige Pflanzstelle zwei Spatenstich tief umgraben und dabei etwas Komposterde untermischen. Weitere Zusätze können unterbleiben, falls das Bäumchen seine Doppelrolle weiterspielen und nicht zu stark wachsen soll. Nach dem Einebnen wird der Boden bei Bedarf gut durchfeuchtet und mit Falllaub mindestens 30 cm hoch bedeckt, so dass eine Fläche von etwa einem Quadratmeter dem Zugriff des Frosts entzogen ist. Sobald nach Weihnachten frostfreies Wetter herrscht, kann der Nadelbaum im Garten seinen Platz einnehmen. Den Ballen beim Pflanzen nicht andrücken, sondern nur die Erde ringsum. Hinterher wird der Boden wieder bedeckt. Zum nächsten Weihnachtsfest nimmt man den Baum etwa eine Woche vorher mit Erdballen heraus, pflanzt ihn in einen passenden Eimer oder Kübel, füllt alle Hohlräume mit Mutterboden aus und gießt durchdringend an.

Ist kein Garten vorhanden, kann das Bäumchen auch auf dem Balkon weiter wachsen. Einen Standort in voller Sonne nach Möglichkeit vermeiden und regelmäßig für ausreichende Versorgung mit Wasser sowie etwas Dünger sorgen. Besonders bei langen Frostperioden leidet die Pflanze, wenn der Wurzelballen durchfriert und dann keine Feuchtigkeit in die Nadeln transportiert wird. Um das zu verhindern, sollten Sie den Topf mit Noppenfolie, Stroh- oder Sisalmatten umhüllen und ihn eng an die Hauswand rücken.

Tipp: Ist der Baum im Topf gewachsen oder erst vor kurzem eingetopft worden? Dieser Test verrät es: Bitten Sie den Verkäufer, das Bäumchen herauszuziehen. Bröckelt dabei eine größere Menge Topferde auf den Boden, wurde die Pflanze erst kürzlich in den Container gestopft und das Gefäß mit Erde ausgefüllt. Im Topf kultivierte Bäumchen zeichnet dagegen ein kompaktes Wurzelwerk aus, das die Erde beim Rausziehen zusammenhält.

Fotos: (1) Frohes Fest, gewünscht auf einem Glanzbild aus dem 19. Jahrhundert (Ausschnitt).
(2) Eingetopfte Weihnachtsbäumchen sind in Gartencentern jetzt zu günstigen Preisen erhältlich. // © Spiegel

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1 Kommentar

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Gut zu wissen, wo man einen Weihnachtsbaum im Topf kaufen sollte. Allerdings ist beim Auspflanzen im Garten zu bedenken, wie groß er mal wird und ob man das wirklich will. In Kleingärten z. B. sind Tannen nicht erlaubt.

Auch beim Standort sollte gut überlegt werden, ob der Baum nicht in

einigen Jahren eher stört als erfreut.

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