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Sport & Freizeit

Zu Fuß über die Alpen - auf die entspannte Tour

Freundin Inge spricht schon seit zwei Jahren davon: „Bevor ich nicht mehr so gut zu Fuß bin, will ich nochmal auf einer Hütte schlafen und den Sonnenaufgang auf dem Berg sehen! Wer geht mit?" Ich bin sofort dabei, zwei Freundinnen ebenso. Doch eins wird schnell klar: Ohne Führung schaffen wir das nicht.

Inge holt Angebote ein, eines beruhigt unsere aufkommenden Zweifel: Es gibt eine Tour 50plus. Genau das richtige für uns. Damit wird die ganze Sache entspannter. Man schläft nicht jede Nacht im Lager auf der Hütte, sondern nächtigt ab und zu im Hotel und vor allem: Einige Strecken werden per Busfahrt entzerrt. Trotzdem ist uns vieren auf der Zugfahrt nach Oberstdorf ein bisschen mulmig. Klar, wir gehen gerne mal wandern, auch auf dem einem oder anderen Gipfel waren wir schon. Aber die toughen Bergsteiger sind wir nicht.

Am Treffpunkt vor dem Bahnhof warten Wilfried und Heike, die Bergführer auf uns und den Rest der Truppe. Zusammen sind wir 19 Personen, in zwei Gruppen aufgeteilt, die meisten sind tatsächlich über 50.

Langsam aber stetig

Per Bus fahren wir zur Spielmannsau hinter Oberstdorf, die Rucksäcke dürfen mit dem Lastenaufzug fahren, wir laufen hoch zur Kemptener Hütte. Große Erleichterung: Das Tempo ist angenehm langsam, so dass keiner überfordert ist. Zwischendurch ist immer mal wieder „Märchenstunde": Bergführer Wilfried erklärt uns das richtige Auf- und Absteigen oder die Bergwelt der Allgäuer Alpen und streut auch mal ein launiges Anekdötchen ein.

Am nächsten Tag überschreiten wir auf der Mädelegabel die Grenze zu Österreich, wandern durch das Höhenbachtal nach Holzgau ins Lechtal hinunter. In dem ruhigen Dorf hat das Wirtshaus gute Suppen. Weil die Tour ja entschärft ist, fahren wir - erholsam - mit dem Taxi nach Steeg zur Kaiseralm.

Jagertee, Herz-Jesu-Feuer und Ziegenjoghurt

Dann folgen anstrengende, aber wunderschöne 800 Meter hinauf auf das herrlich gelegene, familiär geführte Kaiserjochhaus auf über 2300 Meter. Hier erleben wir das erste Highlight der Tour: Es ist der 3. Sonntag nach Pfingsten, da werden in Teilen Tirols auf den Bergen die Herz-Jesu-Feuer entzündet, Andreas Hofer zum Gedenken. Wenn es gegen 22 Uhr dunkelt, funkeln die Feuer in Kreuz- und Rosenkranzform auf den gegenüberliegenden Hängen auf. Ein Feuerwerk auf einem Berggipfel krönt die Festivität. Der Jagertee ist eine Wucht.

Morgens gibt es zum Frühstück köstlichen Ziegenjoghurt neben anderen regionalen Schmankerln. Zum Aufwärmen steigen wir auf den neben der Hütte gelegenen Grießkopf und geniessen den unglaublichen Rundumblick bis in die Schweizer und Italienischen Alpen. Ein erstes Gruppengefühl stellt sich ein - mit Foto am Gipfelkreuz. Zurückgekehrt spielt uns Hüttenwirt Sepp am Tisch vorm Haus auf der Zither vor.

Muskelkater in Zams

Der Tag ist wieder prächtig und wir freuen uns, dass wir nicht über das anstrengende Zammerloch von der Memmimger Hütte absteigen müssen wie die anderen Gruppen und die Bergwanderer des Fernwanderwegs E5, sondern idyllisch und ohne viel „Wegeverkehr" nach Pettneu laufen. Von dort geht es per Bus nach Zams. Ach - und Wohltat: Ein wunderbares Hotel erwartet uns.

Wir geniessen den Luxus einer warmen Dusche und auch, den nächsten Morgen in Ruhe ausschlafen und frühstücken zu können. Denn es hat sich Muskelkater eingestellt, den wir tapfer zu ignorieren versuchen. Das gelingt auch, weil es erstmal mit dem Bus weitergeht, durchs Pitztal nach Mittelberg. Der nächste Aufstieg zur Braunschweiger Hütte, mit Blicken auf den Gletscher, fordert alle Konzentration.

Auf dem Hosenboden den Gletscher runter

Der nächste Tag beginnt mit einem Weg über den Grat des Pitztaler Jöchls, den ich alleine wohl nicht gemacht hätte. Umso schöner, dann erstmal oben zu sitzen und auf den Rettenbachferner runter zu gucken. Den Gletscher rutschen wir dann auf dem Hosenboden hinab - ein super Spaß! Nach der Mittagspause folgt die längste Etappe der Tour - der Panoramaweg nach Vent, immer am Bergrücken entlang. Auch hier dürfen wir abends im Gasthaus Vent Hotelkomfort geniessen.

Den höchsten Punkt unserer Tour erreichen wir am nächsten Tag: Wir laufen über die Martin-Busch-Hütte auf den Similaun. Das bisher immer schöne Wetter schlägt auf der Höhe um - im Nieselregen und Nebel waten wir das letzte Stück über den Gletscher.

Zur Ötzi-Fundstelle und: Bella Italia!

Da taucht plötzlich die Similaunhütte auf - wir sind auf über 3000 Meter und schon in Italien! In der wunderbar renovierten Hütte verbringen wir unseren letzten Hüttenabend, es gibt köstlichen Kaiserschmarrn. Und wir erfahren: Ganz in der Nähe am Tisenjoch, hat ein Ehepaar 1991 die Ötzi-Mumie gefunden.
Dann bricht mit dem siebten, der letzte Tag an - und es liegt nur noch ein Abstieg vor uns. Den begehen wir mit einer Pause zwischen liegenden Kühen, später mit Blick auf den türkisblauen Vernagt Stausee. Vor der urigen Wirtschaft in Tiesenhof gibt es eine letzte Brettljause oder Speckknödelsuppe. Abends in Meran - die Busfahrt dorthin ist wieder ein Genuss für die Augen - feiern wir Abschied. Jedem überreichen die Bergführer mit erheiternden Sätzen zur Person eine Urkunde. Wir haben es tatsächlich geschafft. Zu Fuß über die Alpen! Nur eben auf die entspannte Tour.

Foto: Blick vom Grießkopf 

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5 Kommentare

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Hallo zusammen, ich werde diese Tour dieses Jahr auch endlich in Angriff nehmen und am 22.08. in Oberstdorf loswandern. Hat noch Jemand Lust und Zeit mich zu begleiten? Ich habe vor 2 Wochen hier gebucht: http://www.guiders.de/tour/1337-die-...f-bis-meran Super Beratung am Telefon und ich musste auch nur 10 % anzahlen!
  • 09.11.2014, 19:44 Uhr
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Die Strecke würde ich gerne im Heißluftballon abfahren.....dauert etwa 6Stunden......tolle Leistung!!!!!
  • 26.09.2013, 21:30 Uhr
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kann es nicht ein bisschen flacher sein ----ich meine geographisch ,bin zu faul der alte knacker aus dem flachland nrw.
  • 01.06.2013, 13:39 Uhr
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Andrea Reiche
Lieber Heinz Oehme, wir haben das über die Bergschule Oberallgäu gebucht: www.alpinschule.de
  • 27.10.2012, 18:34 Uhr
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Ich bin den E5 mit einem Freund vor einigen Jahren auch gelaufen. Am schönsten war es, wenn wir nicht in den normalen Hütten, sondern in Schutzhütten oder beim Bauern auf dem Heuoden übernachtet haben.
  • 05.07.2012, 10:51 Uhr
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